Bei einer Arsenvergiftung konzentriert sich die toxische Polyneuropathie hauptsächlich auf Hände und Füße (Schmerzen und Mißempfindungen)
TOXISCHE POLYNEUROPATHIE
(exotoxische, endotoxische
Polyneuropathien)
Der Begriff "toxische Polyneuropathie"
"Toxische" bedeutet "giftig, durch Gift bedingt". "Exotoxische" wird dann verwendet, wenn das Gift von außen dem Organismus zugeführt wird (z.B. Alkohol) und die Diagnose "endotoxische Polyneuropathie" wird dann gestellt, wenn das Gift im Körper selbst produziert wird. Das Wort Pol yneuropathie setzt sich zusammen aus "poly" (= viel, mehr als normal), neuro (= Nerven betreffend) und "pathie" (= Leiden, Schaden, Krankheit).
Das klassische Beispiel für eine endotoxische
Pol yneuropathie ist die
diabet ische
Po lyneuropathie, bei der krankheitsbedingt (Diabetes mellitus) anfallende
(giftige) Ketone einen
Multienzymkomplex blockieren, dessen Ausfall durch Bindung der alpha-Liponsäure zu Einlagerung von Sorbitol
in den Zellen führt (intrazelluläres Ödem möglich).
Weitere endotoxische Ursachen (Auswahl):
Das klassische Beispiel für eine exotoxische Polyn
europathie ist die
alkoholische
Polyneuropathie.
Weitere exotoxische Ursachen (die häufigsten):
Auch toxische Polyneuropathien führen im
fortgeschrittenen Stadium zu einem anhaltenden
Brennschmerz im
Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rückenmark und
Gehirn verlaufender)
Nerven, vorwiegend in
Arme und
Beine, vor allem im Bereich von
Finger und
Zehen.
Darüber hinaus bestehen
Parästhesien (=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesien (= gesteigerte Empfindlichkeit für
Sinnesreize) und
Hyperpathien
(= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit
von Ner ven
und
Muskeln sowie evtl. motorische (= die
Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand
et Rumpl 1988), teilweise auch
Wadenkrämpfe.
Schmerzattacken wie bei einer
Neuralgie
sind sehr selten.Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige
Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit).
Der
brennende
Schmerz charakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer
Kausalgie
(komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II)
führen.
Die toxische Polyneuropathie bei einer Beivergiftung zeigt eine Besonderheit. Hier steht eine Lähmung der Streckermuskulatur an den Händen, seltener auch an den Beinen im Vordergrund, weniger Schmerzen. Manchmal kommt es auch zu Hör-und Sehstörungen.
Bei einer Arsenvergiftung konzentriert sich die toxische Polyneuropathie hauptsächlich auf Hände und Füße (Schmerzen und Mißempfindungen)
Bei toxische
n Polyneuropathien fallen bei der klinischen Untersuchung vor
eine allem
Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der
Muskeleigenreflexe), Ausfälle im Vibrationsempfinden
(Pallhypästhesie bis hin zu
Pallanästhesie) und Störungen der Sudomotorik (=
Schweißverhalten) auf, die von Lähmungen begleitet sein können.
Je
nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein
sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende)
oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und
Muskelkraft betreffende) Formen von
Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie)
und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose.
Bei einer "Vergiftung" mit einem Schwermetall, z.B. Blei (in alten Häusern
finden sich z.T. ja noch Wasserrohre aus diesem Metall) kann der Nachweis mit
einer chemischen Haaranalyse geführt werden.
Die
Unterscheidung zwischen d iabetischer und alkohol
ischer Ursache ist
häufig anhand der Sudomotorik (= Schweißverhalten)
der Fü ße
möglich; sie sind beim Diabetiker meist schilfrig trocken, bei
Alkoholmißbrauch nicht selten stark schweißig (Neundörfer 1988).
Kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie der Polyneu ropathie (toxische):
Bezüglich der exotoxische n (= von außen zugeführten Gifte) Ursachen: Weglassen der verantwortlichen Noxen (= schädliche Stoffe). Angesichts der Fülle möglicher weiterer, oben nicht aufgeführter Noxen (= schädliche Stoffe) ist das Aufspüren derselben im allgemeinen schwierig. Hervorzuheben ist, daß nicht selten auch ein Anlgetikamißbrauch (= Schmerzmittelmissbrauch) zu einer toxische n Pol yneuropathie bzw. Neuropathie führen kann.
Bei nachgewiesener
Schwermetallvergiftung (z.B. Blei) oder dem Verdacht auf höhergradige sonstige
Schadstoffbelastung beispielsweise durch Pflanzenschutzmittel, haben sich
naturheilkundliche Ausleitungsverfahren bewährt. Hierbei können verschiedene
Ansatzpunkte kombiniert werden. Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit der
Kombination von homöopathisch potenzierten spagyrischen Präparaten zur
Unterstützung der Funktion der Ausscheidungsorgane (Leber, Niere, Haut und
Lymphsystem). Kombiniert wird diese Therapie mit der Einnahme von Chlorellaalgen
in hoher Dosierung. Diese binden die über die Leber bzw. Galle ausgeschiedenen
Schwermetalle im Darm und verhindern eine Reabsorption im Enddarm. Hierdurch
wird eine vermehrte Ausscheidung möglich. Sinnvoll sind natürlich auch andere
Ausleitungsverfahren wie Fasten, Sauna (noch besser wirkt die
Rotlichtkabine),
Atemtherapien und andere zu kombinieren.
Eine Ausleitungstherapie bei chronischen Intoxikationen muss immer über Monate,
teilweise auch über Jahre angelegt werden. Es hat sich bewährt, die Konzepte in
2-3-monatigen Abständen zu wechseln.
Begleitend zu Ausleitungstherapien ist das Trinken von größeren Mengen von
Wasser und die Einnahme hoch dosierter Vitamin-, Mineral- und
Spurenelemten-Produktion sinnvoll.
Bei endotoxische n Polyneuropathien muß primär die zugrunde liegenden Krankheit erfolgreich behandelt werden.
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie der toxische n Pol yneuropathie (gilt auch für andere Formen):
Das Antidepressivum Duloxetin, ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, ist auch zur Schmerztherapie bei einer d iabetische n Pol yneuropathie zugelassen worden.
Physikalische Therapie bei toxische
r Polyneuropathie:
Eine
Vielzahl von Methoden sind geeignet, das Schmerzbild einigermaßen erträglich
zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder,
Kneipp`sche Güsse, Wärmekammer
oder eine oberflächliche Kryobehandlung (=
Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff
oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit
transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden herbeigeführt werden.
Neuerdings führen wir bei einer
toxische
n Pol
yneuropathie im Bereich der unteren Extremitäten
(= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschen
kel des
Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen
Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz
pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag)
zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales
(= im gleichen Rhythmus)
Gefäßtraining. Durch
die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen
optimiert. Mehr
über diese Therapie erfahren Sie hier:
www.1-avk.de
(einfach anklicken).
Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen
Betäubungsmittel):
Wiederholte Nervenblockade
n - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der
korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich sehr bewährt. Dabei kommt es neben
der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer
(sympathischer) Faseranteile (Sympathikolyse), woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung
im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen
Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung bei
der toxische
n Polyneuropathie
nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf
die Ursache ausgerichtet).Eine derartige
Durchblutungssteigerung führt auch zu einer Optimierung eines gestörten und
damit potentiell schmerzauslösenden Metabolismus (=
Stoffwechsel) der Nervenzellen.
Im Bereich der oberen Ex tremitäten
(= Ar me)
bietet sich die
Blockade des Pl exus brach ialis
(= großes Armnervengeflecht)
an,
insbesondere
kontinuierlich mit Katheter.
Im Bereich der unteren Ex tremitäten
(= Be ine)
kann, besonders bei distal (= weiter unten)
betonten Beschwerden, zunächst der Nervus isch iadicus wiederholt blockiert
werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer
kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die
Einpflanzung eines Katheters (*
siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es
jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt
sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß.
Bei
Beschwerden im Bereich der unteren
Extremitäten
(= Be ine)
kann auch eine niedrig dosierte per idurale
(= rückenmarknahe) Blockade
durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann
optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h.,
die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben
abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (*
siehe unten). In der Regel reicht eine geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus
(z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sak ralblockaden (= rückenmarknahe
Blockade durch eine Öffnung im Kr euzbein
hindurch) empfohlen (Kossmann et al. 1988).
Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung bzw. Behandlung mit Lokalanästhetika zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.
Intravasale
(= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika-Gabe:
Bei einem polyneuropathischen
Schmerz im
Beinbereich hat sich
die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader)
Einspritzung eines
Lokalanästhetikum
s (=
örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Lidocain in niedriger
Konzentration) gut bewährt. Dabei verabreichen wir
eine Serie von ca. 10 Injektionen in die Arteria femoral is
(= Schlagader im vorderen
Oberschenkel) an
aufeinander folgenden Tagen, jeweils 1x täglich. Um die Traumatisierung
(= Verletzung) der Arterienwand möglichst gering zu
halten, wird eine sehr dünne Kanüle verwendet. In der Regel geben die Patienten unmittelbar
nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im
behandelten
Bein an.
Sehr gute Erfolge sehen wir, wenn bei der toxische n Pol yneuropathie oben beschriebene Nervenblockade n mit einer Infusionsserie kombiniert wird. Der Infusionslösung (z.B. 500 ml NaCl) werden 1-1,5 mg/kg Körpergewicht Lidocain zugesetzt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Nervenblockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen, auch bei einer toxische n Pol yneuropathie.
Bestehen chronische Schmerzen, auch aufgrund von endotoxische n oder exotoxische n Polyneuropatien längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist i.d.R. eine rein somatische (= körperliche) Schmerzbehandlung nicht mehr ausreichend, sondern es muss auch eine psychologische Schmerzbehandlung bzw. spezielle Schmerzpsychotherapie erfolgen, was aber ambulant kaum möglich ist, weil es nur ganz wenige niedergelassene Psychologen gibt, die eine solche Weiterbildung absolviert haben.
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